Was ist Kinderarmut?
Kinderarmut in Österreich
Ein Viertel aller armutsgefährdeten Menschen in Österreich sind Kinder und Jugendliche. Tendenz steigend. Das Risiko der sozialen Ausgrenzung ist bei Kindern besonders hoch. Über 344.000 Kinder leiden darunter.
Das ist jedes 5. Kind!
- 2024 lebten 244.000 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren in überlegten Wohnverhältnissen
- 269.000 Kinder in feuchten, von Schimmel betroffenen Wohnungen
- 347.000 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren leben in einem Haushalt, der es sich nicht leisten kann, zumindest einmal im Jahr Urlaub zu machen.
- Für 66.000 ist es nicht möglich, sich ausgewogen zu ernähren bzw. jeden zweiten Tag Fisch, Fleisch oder eine vergleichbare vegetarische Alternative zu konsumieren
- 425.000 Kinder und Jugendliche leben in einem Haushalt, der unerwartete Zahlungen in der Höhe von rund 1400 nicht finanzieren kann
- Bei 203.000 Kindern gibt es im Haushalt Zahlungsrückstände.
- 194.000 leben in einem Haushalt, der abgenutzte Möbel nicht ersetzen kann.
- 67.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt, der die Wohnung nicht angemessen warmhalten kann
Quelle: Statistik Austria & Eurostat Statistics 2025 (bis 18 Jahre)
Die Armutsgefährdungsschwelle
Was ist relative Armut?
Armut ist relativ. Armut im Südsudan – dem ärmsten Land er Welt – sieht anders aus, als Armut in Österreich. In Österreich sprechen wir daher von „relativer Armut“. Im Gegensatz zur absoluten Armut – die sich in Hunger und Obdachlosigkeit ausdrückt – wird relative Armut am allgemeinen Lebensstandard der jeweiligen Gesellschaft gemessen. Als arm gelten jene Menschen, denen es aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, in Österreich übliche Güter zu erwerben bzw. zu konsumieren – und denen dadurch eine gesellschaftliche Teilhabe verwehrt bleibt.
Wer gilt als armutsgefährdet?
Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen muss. Diese Einkommensgrenze wird Armutsgefährdungsschwelle genannt. Aktuell liegt sie in Österreich bei 1.661 Euro monatlich für einen 1-Personen-Haushalt. Der Wert erhöht sich pro weiterer erwachsener Person im Haushalt um 830,5 Euro und pro Kind unter 14 Jahren um 498,3 Euro.
Armutsgefährdungsschwelle in Österreich (nach Monatseinkommen):

Die 4 Dimensionen von Kinderarmut
Armut bedeutet hierzulande für Kinder meist nicht, kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben – die existenzielle Grundversorgung ist in der Regel gewährleistet. Arm zu sein heißt aber, auf vieles verzichten zu müssen, was für Gleichaltrige ganz normal zum Aufwachsen dazugehört.
Die materielle Dimension
Die materielle Dimension von Armut bezieht sich auf Wohnraum, Nahrung und Kleidung. Die Wohnverhältnisse geben Raum sowie Rahmen für das tägliche Leben und Lernen und haben daher enorme Bedeutung für die körperliche, gesundheitliche und psychische Entwicklung eines Kindes. 244.000 armutsgefährdete Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre wohnen in überbelegten Wohnungen. 289.000 von ihnen lauten, 126.000 in dunklen und 269.000 sogar in feuchten/schimmelbefallenen Wohnungen. Rund ein Viertel der Kinder erhalten keine ausgewogene Ernährung und keine neue Kleidung, wenn die alte abgetragen ist. All diese Faktoren haben negative Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden, Lernerfolge und Selbstwertgefühl.
Die soziale Dimension
Die soziale Dimension beschreibt die Einbindung eines Kindes in sein soziales Umfeld, die Entwicklung sozialer Kompetenzen und Kontakte. Doch Armut schließt von vielen sozialen Aktivitäten aus. Kommt niemand zum Geburtstag, oder kann man nicht mit auf Schulskikurs fahren, manifestiert sich nachhaltig ein Gefühl des nicht dazu Gehörens. Armutsbetroffene Kinder und Jugendliche leiden an der Ausgrenzung aus der Gemeinschaft – eine enorme psychische Belastung. Hinzu kommt der Stress, ihre Armut verbergen zu wollen. Sie vermeiden Treffen mit Freunden, weil sie sich schämen, nichts konsumieren zu können oder nichts zur Party mitbringen zu können. Die Gefahr ausgegrenzt und isoliert zu werden, ist drastisch erhöht. Das soziale Leben ist schlichtweg eingeschränkt.
Die kulturelle Dimension
Die kulturelle Dimension umfasst die kognitive Entwicklung, insbesondere den Zugang zu Bildung und Sprache sowie den Erwerb kultureller Kompetenzen. Bildung wird in Österreich im Vergleich zu anderen Industriestaaten überdurchschnittlich vererbt. Kinder aus bildungsfernen Haushalten erreichen seltener einen Hochschulabschluss. Ihre sozialen Aufstiegschancen sind geringer. Die Bildungschancen sind ungleich verteilt. Hinzu kommt, wer in der Schule nicht dazu gehört, läuft auch Gefahr die Schule vorzeitig abzubrechen.
Die gesundheitliche Dimension
Die gesundheitliche Dimension schließlich gibt Auskunft über die physische und psychische Gesundheit sowie über armutsbedingte Beeinträchtigungen. Ergebnisse einer Umfrage unter ÄrztInnen zeigen etwa, dass armutsgefährdete Kinder sich häufiger weniger gesund und weniger leistungsfähig fühlen, ein höheres Verletzungsrisiko haben und auch häufiger unter chronische Krankheiten leiden.
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