Forschungsprojekt zur Kindergrundsicherung
Was finanzielle Sicherheit im Leben von Kindern verändert
Zwei Jahre lang unterstützte die Volkshilfe neun armutsbetroffene Familien – eine in jedem Bundesland – mit dem finanziellen Teil der Kindergrundsicherung. Insgesamt nahmen 23 Kinder am Forschungsprojekt teil.
So funktionierte das Forschungsprojekt
Die Auswahl der teilnehmenden Familien orientierte sich an Faktoren, die häufig mit einem erhöhten Armutsrisiko verbunden sind. Unter den Familien waren fünf alleinerziehende Mütter und zwei alleinerziehende Väter.
Die Familien erhielten im Durchschnitt 320 Euro pro Kind und Monat, gestaffelt nach dem jeweiligen Haushaltseinkommen. Die Unterstützung sollte dazu beitragen, die vier zentralen Dimensionen kindlicher Entwicklung abzusichern: materielle Versorgung, Bildung, soziale Teilhabe und Gesundheit.

Begleitung durch Sozialarbeiter*innen
Alle Familien wurden während des gesamten Projektzeitraums von Sozialarbeiter*innen begleitet. Zu Beginn wurde eine umfangreiche Ersterhebung durchgeführt. Zum Einsatz kamen unter anderem leitfadengestützte Interviews, Elemente aus der Familienaufstellung und eigens entwickelte Selbsteinschätzungsspiele für Kinder.
Gemeinsam mit den Kindern wurden im sogenannten „Kinderzukunftsrat“ persönliche Ziele formuliert. So konnte über den Projektverlauf beobachtet werden, wie sich ihre Lebenssituation, ihre Möglichkeiten und ihre Selbsteinschätzung veränderten.

Wie Kinder Armut erleben
Die Erstgespräche zeigten, wie stark Ausgrenzung, Mangel und Ängste den Alltag der Kinder prägten. Viele äußerten kaum eigene Wünsche. Wenn sie Wünsche formulierten, bezogen sich diese häufig nicht auf altersgemäße Bedürfnisse, sondern auf die finanzielle Situation ihrer Familie.
Einige Kinder fühlten sich mitverantwortlich für die Sorgen ihrer Eltern. Armut schränkte damit nicht nur materielle Möglichkeiten ein, sondern auch die Freiheit der Kinder, eigene Wünsche zu entwickeln und unbeschwert Kind zu sein.
Positive Entwicklungen bereits nach kurzer Zeit
Bereits nach wenigen Monaten beobachteten die begleitenden Sozialarbeiter*innen bei vielen Kindern Veränderungen in ihrem Auftreten und Verhalten.
„Wir waren überrascht, wie schnell wir bei den Kindern positive Veränderungen beobachten konnten“, erzählt Judith Ranftler, eine der begleitenden Sozialarbeiter*innen im Projekt. „Schon nach drei bis vier Monaten konnten wir bei vielen Kindern erleben, dass sie sich in den Gesprächen völlig anders verhielten als am Anfang. Kinder, die zu Beginn kaum kommunizierten, hielten plötzlich Augenkontakt, sprachen öfter und schneller oder formulierten selbstständig Wünsche. Man spürte schnell eine Art von Selbstermächtigung.“
Was hat sich im Leben der Kinder verändert?
Im Forschungsprojekt zeigten sich Veränderungen in allen vier zentralen Dimensionen von Kinderarmut: materielle Absicherung, soziale Teilhabe, Bildung und Gesundheit. Viele Kinder beschrieben sich am Ende des Projekts zudem als selbstbewusster, mutiger oder fröhlicher.
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Materielle Absicherung
In mehreren Familien konnten Mängel bei Lebensmitteln und Kleidung behoben werden. Auch Wohnkosten wurden abgesichert und Wohnräume stärker an die Bedürfnisse der Kinder angepasst – etwa durch passende Betten, Rückzugsorte oder einen eigenen Schreibtisch.
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Soziale Teilhabe
Viele Familien berichteten von einem entspannteren Familienklima und mehr gemeinsamen Aktivitäten. Kinder konnten häufiger Freund*innen treffen, schwimmen gehen, Fahrrad fahren oder neue Hobbys und außerschulische Aktivitäten ausprobieren.
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Bildung
Bei mehreren Kindern wurden bessere Konzentration und schulische Leistungen beobachtet. Zusätzliche finanzielle Mittel ermöglichten außerdem den Zugang zu Lernmaterialien, technischen Geräten oder Nachhilfe und schufen in manchen Wohnungen bessere Lern- und Rückzugsmöglichkeiten.
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Gesundheit
Einige Kinder berichteten von einem besseren subjektiven Gesundheitszustand und erholsamerem Schlaf. Insgesamt beschrieben sie eine höhere Lebensqualität und mehr Zufriedenheit.
Wissenschaftliche Begleitung
Das Forschungssetup wurde gemeinsam mit DDr. Nikolaus Dimmel von der Universität Salzburg entwickelt. Untersucht wurde, wie sich die finanzielle Unterstützung auf die Lebenswelt und die Gefühlslage der Kinder auswirkt und wie sozioökonomische Benachteiligung ihre sozialen Räume begrenzt.
Neben den regelmäßigen Gesprächen und Erhebungen entstanden über den Projektzeitraum zahlreiche weitere Aufzeichnungen, darunter Familientagebücher der teilnehmenden Familien.
Von der Forschung zur politischen Forderung
Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt zeigen, welche Veränderungen verlässliche finanzielle Sicherheit im Alltag von Kindern ermöglichen kann. Auf dieser Grundlage setzt sich die Volkshilfe weiterhin für eine Kindergrundsicherung ein, die finanzielle Absicherung mit dem Ausbau kindgerechter Infrastruktur verbindet.